Das Blog für trnd-Projektteilnehmer: Hier gibt's die aktuellen Projektnews und Diskussionen rund um das trnd-Projekt Viral Marketing Buch.

3Sat Viral Marketing Feature.

Habe ich zwar schon mal auf dem trndblog gebloggt - der Vollständigkeit halber auch hier nochmal: Das Viral Marketing Feature von 3Sat mit den Kollegen Zorbach und Oetting. Guter Beitrag, leider wieder mit einer Schlussbemerkung des Moderators, dass die Werber jetzt mit neuen Tricks versuchen, Konsumenten zu verführen. Hm.

Diskussion

Meinungen der trnd-Partner

25.08.06 - 18:42 Uhr
von SaschaLangner

> leider wieder mit einer Schlussbemerkung des
> Moderators, dass die Werber jetzt mit neuen
> Tricks versuchen, Konsumenten zu verführen. Hm.
Das ist glaube ich typisch für viele Massenmedien. Ich hab’ vor kurzem mit zwei (sehr) großen Magazinen gesprochen, die Hintergrundinfos zum Thema “Viral Marketing” suchten. Es ging jedoch alles in eine Richtung: “Herr Langner, finden Sie es gut, dass die Konsumenten gezielt(getäuscht) werden, um Werbung für ein Unternehmen zu machen?” oder “…welche negativen Folgen hat das auf die Gesellschaft?”

Am besten war ein Radiosender, der mich tatsächlich dazu befragte, ob es nicht gegen den Jugendschutz verstoße, wenn Unternehmen nun gezielt Jugendliche für Mundpropaganda-Kampagnen einsetzen.

Für mich heißt das, dass “Viral Marketing” von vielen großen “Meinungsmachern” kritisch gesehen wird. Die Frage ist jedoch: Woher kommen diese Bedenken? Und sind sie gerechtfertigt? Zumindest haben die meisten meiner Freunde weder eine Ahnung davon, dass es diese Werbeform überhaupt gibt, noch, dass hinter den beispielsweise lustigen Clips oder PPTs, die sie weiterverschicken, oftmals gezielte Kampagnen stehen.

26.08.06 - 17:44 Uhr
von PixelDemon

Ich denke, jeder der sich nur kurz mit dieser Form der Werbung auseinandersetzt, hat ein ähnlich schlechtes Gefühl bei der Sache: Das Gefühl zu Werbezwecken unterwandert zu werden, ohne etwas dagegen tun zu können.

Natürlich sind alle bereits genannten Argumente für virales Marketing richtig. Dennoch kann ich verstehen, wenn Konsumenten dadurch Angst bekommen, die Kontrolle über das zu verlieren, was man ihnen vorsetzt. Da Werbung oft nicht mehr als solche gekennzeichnet ist, macht sich eben Misstrauen über das breit, was man einem “zufällig zufliegt”.

Das Beispiel K-Fee ist ein positives Beispiel hierfür: Eine als solche gekennzeichnete Werbung, die sich verbreitete, weil sie sehr gut war. Viele Menschen wollten diese Werbung sehen, und es war ihnen bewusst, das hier auch für ein Produkt geworben wurde.

Teilweise negativ hingegen wurde der Spot Ronaldinho/Nike aufgefasst: Als sich herausstellte, dass dieser “Amateurclip” nur dem Zweck der Werbung diente, fühlten sich einige Leute von Nike angelogen.

Ich denke, man sollte hier einen guten Mittelweg finden, um den Glauben / das Vertrauen der Verbraucher nicht auf eine zu harte Probe zu stellen. Denn die Idee des viralen Marketing klingt in der Tat sehr hart, was starkes Misstrauen auslösen kann. In der Praxis profitieren alle davon.

28.08.06 - 9:54 Uhr
von Djinni

Die Frage ist ja auch, inwiefern dieses Misstrauen gerechtfertigt ist. Ich wehre mich immer so ein bißchen gegen das Bild der “bösen Großkonzerne”, die alle Konsumenten zu willenlosen Lemmingen machen sollen. Natürlich können Meinungen zu Produkten durch virale Marketingaktionen beeinflusst werden - aber ist das immer so schlimm? Schließlich denken sich Menschen diese Aktionen aus und anderen Menschen machen sie Spaß, und darum geht es ja auch letztendlich. Es zwingt mich ja keiner, ein lustiges Filmchen oder so weiterzuschicken.

Wirken kann virales Marketing m.E. sowieso nur, wenn es clever und kreativ gemacht ist. Wir leben schließlich in einer Konsumwelt, und da ist es mir allemal lieber, mit lustigen, unkonventionellen Methoden “umworben” zu werden als mit langweiliger (Fernseh-) Werbung im herkömmlichen Sinn.

28.08.06 - 11:25 Uhr
Trackback von ConnectedMarketing.de

Neuromarketing, Viral Marketing oder Moral Marketing?…

Wenn man erzählt, dass man sich mit Mundpropaganda Marketing oder Viral Marketing befasst, dann kann es ab und zu passieren, dass Leute fragen: Ist das nicht eine eher miese Tour? Sich sozusagen undercover einzuschleichen und im Verborgenen zu wirken?…

28.08.06 - 12:19 Uhr
von SaschaLangner

Mmm… wir brauchen vielleicht einen Verhaltenskodex beim Einsatz von viraler Werbung.

Ich fang mal an…

1. Virale Werbung muss immer als solche zu erkennen sein (von PixelDemon)

2. Virale Werbung belästigt nicht, sondern überlässt den Nutzern die Freiheit einen Clip, eine PPT, etc. weiterzuleiten (von Djinni)

3. Tracking (Überwachung) viraler Werbung findet immer anonym statt (von mir).

4. …

Ich hab’ auch mal recherchiert…die Womma hat sowas schon mal angefangen jedoch nur sehr oberflächlich…
http://www.womma.org/ethicscode.htm

Hier die Kritik von Martin…
http://www.connectedmarketing.de/cm/2005/02/ethikdebatte_in.html

28.08.06 - 13:23 Uhr
von OnandOffbeat

Ach ja, wenn das Fernsehen versucht das Internet zu erklären… der Beitrag ist aus meiner Sicht nicht gelungen. Die Beispiele für virales Marketing sind in Ihrer dargestellten Vielfältigkeit nicht asureichend genug erklärt. Es ist ein Unterschied, ob man in einer Email unten anfügt “get you own free email account” oder ob man einen TV-Spot verfremdet und per Email an Freunde weiterleitet. Der Unterschied kommt mir in dem Beitrag zu kurz. Davon mal abgesehen handelt es sich bei dem Ford-Spot NICHT um eine Kampagne von Ford für den “evil twin”, sondern um einen Gag einer Londoner Kreativagentur, die den Spot verfremdet hat (Taube + Katze) und ihn dann auf seine “Reise” geschickt haben. Das weiß vielleicht nicht jeder, aber das wirft doch ein anderes Licht auf den Spot und seine Wirkung wie ich finde. Der Unterschied zwischen Spots, die via Internet weitergeleitet werden und “normalen” TV-Spots besteht teilweise darin, dass die “Internet-Spots” nicht gleich als Werbung gekennzeichnet sind, allein schon deshalb weil “davor und danach” der Spielfilm nicht weiterläuft. Aber macht das nicht auch den Reiz aus? Etwas weiterzuleiten und die Freunde zu fragen “geht das”? Nike war so ein Beispiel. Endverbraucher, die sich dadurch verschaukelt fühlen, können nur welche sein, die keinen Spaß verstehen. Denn wer denkt denn WIRKLICH, dass man mit Nike-Schuhen sooo zaubern kann? Nur meine kleine Nichte - und die ist 3 ;-) Insofern könnte es tatsächlich sein, dass virale Kampagnen etwas mehr “Mitdenken” erfordern als herkömmliche TV-Spots. Aber ich finde das nicht schlimm. Im Gegenteil, ich halte es für eine Chance für bestimmte Zielgruppen, effektvolle Kampagnen zu gestalten.

30.08.06 - 15:32 Uhr
von Niqq

Ja, ja - das gute alte Fernsehen. Das Problem ist ja auch, dass sich hier nur Experten rund um das Thema Virale Kommunikation tummeln, eine Fernsehsendung aber den Auftrag hat, ein komplexes Thema einfach und verständlich darzustellen. Das geht natürlich nicht in einem Beitrag von ein paar Minuten. Ein Siebenminuten-Beitrag wird niemals den hier gestellten Ansprüchen gerecht werden. Vielmehr zeigt so ein Beitrag, dass alternative Kommunikationsformen langsam im Mainstream ankommen. Wodurch sie natürlich auch gleichzeitig an Wirkungskraft verlieren.
Einen Beitrag zu einem Verwandtem des Viralen Marketing, dem Guerilla Marketing, gibt es hier. Dauert 13 Min, und es kommt fast nur der Fachmann zu Wort. Aber ist der Beitrag besser?
http://www.jobtv24.de/wms/jobtv/index.php?ci=592&vid_id=6690

31.08.06 - 12:19 Uhr
von PixelDemon

@OnandOffbeat: Klar ist es Quatsch zu denken, dass man mit besagten Schuhen solche Dinge vollbringen kann. Aber ich denke, dabei geht es ja auch um das Bauchgefühl des Konsumenten und nicht dessen ausgesprochene Meinung.

Nicht, dass sich hier ein falsches Bild darstellt: ich finde VM genial und genieße auch, dass Werbeagenturen dadurch vom Einheitsbrei wegkommen. Dadurch wurde eine riesengroße Plattform für Kreativität geschaffen. Mir ging es dabei mehr darum, warum es zu solchen negativen Gefühlen beim Endverbraucher kommen kann. Und dass diese existieren, ist unbestritten.
Es bleibt letztlich die Frage: Wird sich der Großteil des Zielpublikums die positiven oder negativen Krümel herausholen, um den Geschmack herauszufinden?! Ich bleib da mal gespannt :)