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Kritische Masse.

Eine Frage von trnd-Partner Bronco:

Hi Sascha,

jetzt habe ich mir dein Buch trotz knapper Kasse doch zugelegt. ;-) Und ich muss sagen: ich bin nicht enttäuscht worden! Und nun bin ich beim Projekt (etwas verspätet) dabei.

Was mich direkt interessieren würde: hast du evtl. tiefergehende Infos zur “Kritischen Masse”? Ich fänd’s interessant etwas mehr darüber zu erfahren.

Außerdem: so wie ich das verstanden habe ist das die Zahl an Kontakten, die eine “Epidemie” auslöst. Wenn ich mir die Diagramme auf den Seiten 117, 124 und 145 z.B. ansehe, würde ich rein theoretisch erwarten, dass die Anzahl der Kontakte nach Erreichen der Kritischen Masse weiter (exponentiell) zunimmt und sich nicht wieder auf einen viel kleineren Wert einpendelt…

Danke schonmal für deine Antwort & viele Grüße
trnd-Partner Bronco

Auch Dir natürlich vielen Dank für das Lob!

Als erstes möchte ich auf den zweiten Teil Deiner Mail eingehen…
Die Frage, wann eine Kampagne eine kritische Masse an Nutzern erreicht hat, ist - wie Du schon sagst - relativ leicht zu bestimmen, nämlich genau dann, wenn der linerare Verlauf z.B. der Abrufzahlen eines Videos zu einem exponentiellen oder zumindest überproportionalen wird. Auf den ersten Blick müsste sich eine Kampagne natürlich ab diesem Punkt wie z.B. ein Hustenvirus weiter ausbreiten. Doch auch eine Erkältungswelle ebbt in einem ähnlichen Verlauf wie in den Abbildungen auf den von Dir genannten Seiten wieder ab. Der Grund hierfür ist in der Verbreitungsform und -art eines Virus zu finden.

Ebenso wie sich ein Grippevirus besonders schnell über Menschen verbreitet, die viel sozialen Umgang mit anderen Menschen haben, setzt auch eine virale Kampagne auf die Einbindung von hocheffektiven Multiplikatoren - Knotenpunkte sozialer Netzwerken. Dies sind, ganz verkürzt gesagt, Menschen, die über eine große Anzahl an Netzwerkkontakten verfügen und wenn Sie beispielsweise ein cooles Video zugeschickt bekommen, besonders vielen Menschen davon berichten (z.B. eine Mail an Ihren riesigen Freundeverteiler schicken oder einen Post in Ihrem Lieblingsforum machen).

Diese Superspreader oder auch Megahubs genannt gibt es nicht unendlich oft. Sind genügend von Ihnen in eine Kampagne eingebunden, “hebt” diese alsbald ab. Doch der besondere Vorteil dieser hocheffizienten Multiplikatoren - ihre starke Vernetzung - ist auch ihr Nachteil. Die Wahrscheinlichkeit, dass ab einem bestimmten Verbreitungsgrad der Kampagne ein Superspreader von mehreren Seiten nahezu gleichzeitig mit einem Kampagnengut konfrontiert wird, ist sehr hoch. Und was dann passiert, kann man sich leicht ausmalen. Um nicht als der dazustehen, der als letzter auf den Zug aufspringt, leitet er lieber nichts weiter. Obwohl womöglich 30-50% seines “Verteilers” noch nichts von der Kampagne mitbekommen haben, endet die soziale Epidemie zumindest an diesem Verbreitungsast ganz plötzlich.

Bei einem normalen Virus passiert übrigens was ganz ähnliches. Wer von einer ansteckenden Krankheit in seiner nächsten Umgebung hört, versucht sich tunlichst von den kranken Freunden, Bekannten oder Familienangehörigen fern zu halten, um nicht selbst angesteckt zu werden, vor allem, wenn gerade z.B. eine Grippewelle grassiert.

Und nu zum ersten Teil Deiner Mail…
Informationen zum Thema kritische Masse bzw. Grad einer kritischen Verbreitung sind immer relativ zu sehen. Dass und wann eine virale Kampagne zu einer sozialen Epidemie wird, hängt zum großen Teil von der Zahl an in die Kampagnen eingebundenen, begeisterten Superspreadern ab.

Welche Anzahl an Kontakten insgesamt, für einen exponentiellen Verlauf einer Kampagne notwendig sind, kann man nie genau sagen und hängt natürlich auch von der konkreten Anzahl der Megahubs in dem behandelten Themengebiet ab. Denn nicht jeder ist in allen Themengebieten gleich interessiert. Mall sinngemäß fomuliert, lässt sich der eine über Science Fiction “ködern”, ein anderer nur über deutsche Comedy und wieder ein anderer mit frauenfeindlichen Elementen. So kann es sein, dass wie beim DSF-Beispiel erst um die 50.000 Abrufe erzielt werden müssen, bis genügend effektive Multiplikatoren dabei sind, es können aber auch schon um 20-30 reichen, wenn man sich Beispiele aus der Blogossphäre anschaut.

Das heißt, konkrete Aussagen zum Thema “kritische Masse” zu treffen, ist äußerst schwer. Zumal ich hier nur mal ein paar relevante Faktoren angesprochen habe. Denn es gibt ja nicht den “Superspreader” an sich, sondern zig unterschiedliche individuelle Ausprägungen, die sich nicht nur durch ihre Interessen, sondern auch durch ihre persönlichen Charakteristika voneinader unterscheiden. Der eine kann z.B. super texten und macht aus einer langweiligen E-Mail, die er erhalten hat, ein begeisterndes und ansteckendes Schreiben, ein anderer ist wiederum nicht so sprachlich begabt und braucht ein tolles Anschreiben damit er überhaupt etwas weiterleitet, um nicht doof dazustehen…

…Du siehst, welche Problematiken es hier gibt.

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